Testamentsvollstreckungen

Während ein Nachlasspfleger vom Gericht für die zunächst unbekannten Erben eingesetzt wird, ist der Testamentsvollstrecker die vom Erblasser ernannte Person (in der Regel aus dem Verwandtenkreis oder eine andere vertraute Person), die die letzten Verfügungen des Erblassers zur Ausführung zu bringen hat. Ist vom Erblasser keine bestimmte Person dafür benannt worden, kann das Nachlassgericht auch einen Testamentsvollstrecker einsetzen.

Mit der Einsetzung eines Testamentsvollstreckers kann der Erblasser eine Absicherung seines testamentarischen Willens und eine ordnungsgemäße Abwicklung des Nachlasses erreichen, insbesondere dann wenn die Interessen mehrerer Erben gegensätzlich sind und so eine umfassende Auseinandersetzung zwischen diesen vermeiden. Unterschieden wird zwischen der so genannten Auseinandersetzung- oder Abwicklungsvollstreckung und der Verwaltungs- bzw. Dauervollstreckung, bei der die Verwaltung des Nachlasses im Vordergrund steht.

Für die Zeit der Testamentsvollstreckung ist den Erben die Verfügungsgewalt über den Nachlass entzogen, während der Testamentsvollstrecker den Nachlass zu sichern und zu erhalten hat.

 


Mein letzter Wille
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Der Schwerpunkt der Tätigkeit eines Testamentsvollstreckers liegt also in der Regel auf der Besorgung wirtschaftlicher Belange und nicht im Bereich der Rechtsberatung.

Eine Testamentsvollstreckung darf deshalb von jedermann erfolgen, in der Regel sind auf diesem Gebiet jedoch insbesondere Rechtsanwälte, Nachlasspfleger und wirtschaftlich erfahrene Personen wie z. B. Steuerberater tätig. Auch der Besuch entsprechender Fachlehrgänge ist üblich. Selbst habe ich einen Zertifikatskurs zum Nachlasspfleger besucht sowie ein Fachseminar zu Testamentsvollstreckungen.

Der Erblasser kann die Vergütung des Testamentsvollstreckers festlegen. Geschieht dies nicht, hat der Testamentsvollstrecker Anspruch auf eine angemessene Vergütung. Hierbei haben sich Richtwerte herauskristallisiert. Neben dem eigentlichen Auslagenersatz (beispielsweise Fahrtkosten, Telefonate, Kopien etc. oder Kosten Dritter) ergeben sich bei einem Nachlasswert

bis 10.000 Euro eine Vergütung von etwa 750 Euro,

bis 50.000 Euro eine Vergütung von etwa 2.150 Euro,

bis 125.000 Euro eine Vergütung von etwa 5.600 Euro,

bis 250.00 Euro eine Vergütung von etwa 10.000 Euro

und bei 500.000 Euro eine Vergütung von etwa 15.000 bis 19.000 Euro.

Es gibt keinen offiziellen Höchstsatz der Vergütung, allgemein wird er jedoch mit 12% des Bruttonachlasswertes angegeben, insbesondere für komplexe Nachlässe.

Dieser Einmalbetrag ist unabhängig von einer jährlich zu berechnenden Verwaltungsgebühr bei einer langfristigen Nachlassverwaltung. Hier werden etwa 1/3 bis 1/2 % vom Bruttowert des Nachlasses angesetzt, alternativ auch zwischen 2 und 4 % der jährlichen Einkünfte.