Nachlasspflegschaften/-verwaltungen

Nicht selten steht nach einem Todesfall nicht fest, wer Erbe ist. Trotzdem müssen einige grundlegende Dinge erledigt werden, zunächst die grundsätzliche Sicherung des Erbes, danach beispielsweise die Beerdigung, Auflösung einer Wohnung, Kündigung diverser Verträge, Eintreiben von Forderungen und Begleichung von Schulden.

Zu diesem Zweck setzt das zuständige Amtsgericht ggf. einen Nachlasspfleger ein, der über reichlich Lebenserfahrung verfügen sollte und notwendige Kenntnisse in einem anerkannten Fachlehrgang erworben hat. Besonders geeignet sind somit Juristen, Steuerberater, Berufsbetreuer sowie leitend Tätige aus Verwaltungsbereichen oder kaufmännischen Berufen.

Selbst habe ich die u. a. die Fachkurse zum Berufsbetreuer und Nachlasspfleger absolviert, bin gelernter Kaufmann, über 10 Jahre selbstständig und davor teilselbstständig bzw. in diversen leitenden Positionen tätig. Und auch der Umgang mit Ämtern und Behörden ist für mich normal, sowohl beruflich wie auch durch meine ehrenamtliche Sozialsprechstunde oder mein kommunalpolitisches Engagement. Durch mehrfach wechselnden Haus- und Grundbesitz in meinem Leben bin ich auch mit Immobilien, den daran hängenden Verpflichtungen sowie Kauf und Verkauf vertraut.

Als vom Amtsgericht bestellter Nachlasspfleger bin ich gesetzlicher Vertreter der unbekannten Erben und habe die Aufgabe das Erbe zu sichern und ggf. den Nachlass abzuwickeln, beispielsweise die Bezahlung der Bestattungskosten, Abwicklung eines Mietverhältnisses, Beendigung von Verträgen und mehr. Zwar habe ich die Vermögensinteressen der festzustellenden Erben zu wahren, darf aber Nachlassverbindlichkeiten begleichen, insbesondere wenn dadurch Schäden am Erbe, unnötige Kosten oder Prozesse vermieden werden können.


© Thomas Siepmann, www.pixelio.de

Wichtig für Gläubiger: Gegenüber diese habe ich generell das Recht einer so genannten dreimonatigen Einrede, in der ich mir zunächst eine Übersicht über das Vermögen verschaffe und erst danach über die Befriedigung von Forderungen entscheide.

Wichtig für enge Vertraute der verstorbenen Person: Ich darf aus dem Nachlass keine Schenkungen machen, es sei denn, dass diese einer sittlichen Pflicht oder einer Anstandspflicht entsprechen und materiell kaum von Wert sind.

 

Zu meinen Aufgaben gehört es auch ein Vermögensverzeichnis zu erstellen, eine Erbschaftsteuererklärung abzugeben und die Erbschaftssteuer aus dem Nachlass zu zahlen sowie auch die Ermittlung der Erben.

Der genaue Aufgabenbereich wird immer vom Amtsgericht festgelegt, dem ich umfassend berichten muss. Mit Ermittlung der Erben endet meine Tätigkeit. Nicht selten kommt es heute jedoch vor, dass der Nachlasspfleger von einer Erbengemeinschaft auch danach beauftragt wird, für diese tätig zu sein und den Nachlass abzuwickeln.

Eine besondere Form der Nachlasspflegschaft ist die Nachlassverwaltung. Diese kommt in Betracht, wenn der Nachlass vollkommen unübersichtlich ist. Dies bedeutet, dass die Verfügungsgewalt über das Erbe von schon bekannten Erben auf den Nachlasspfleger übergeht, der das Erbe abwickelt und ggf. verteilt. Eine Nachlassverwaltung kommt aber auch in Betracht, wenn beispielsweise ein Nachlassinsolvenzverfahren notwendig ist, um die Trennung des eigenen Vermögens des Erben vom Nachlass zu erwirken oder das Insolvenzverfahren der (Teil-)Befriedigung von Nachlassgläubigern dient.

Da ich die Tätigkeit als Nachlasspfleger beruflich ausübe, habe ich Anspruch auf eine angemessene Vergütung. Bei überschuldeten Nachlässen erhalte ich aus der Staatskasse pro Stunde 25 Euro zuzüglich USt sowie Auslagenersatz. Ist es unwahrscheinlich, dass Erben gefunden werden, die dieses auch antreten, kann das Gericht mich auch im Auftrag eines Vermieters bestellen, denn dieser hat das Problem, dass der Mietvertrag nach dem Tod weiterläuft und wirksam gekündigt werden muss, bevor dieser über die Mietswohnung verfügen darf. Als Vertreter der unbekannten Erben kann der Vermieter dann mir gegenüber kündigen. Auch wenn dieser dann ggf. die Kosten meiner Beauftragung zu zahlen hat, ist dies unter Umständen günstiger als lange darauf zu warten, ob sich nicht doch noch ein Erbe finden lässt. Ist ein Aktivvermögen vorhanden, bekomme ich in den äußerst seltenen Fällen eines einfachen Nachlasses (beispielsweise nur 1 Bankkonto, 1 Sparkonto, Kündigung Mietsverhältnis, kurze Dauer der Nachlasspflegschaft bis zu einem Monat) eine Vergütung unter 70 Euro, bei einem normalen mittelschweren bis schwierigen Nachlass sind Stundensätze zwischen 70 und 100 Euro zuzüglich USt üblich sowie Auslagenersatz und gehen zu Lasten des Nachlasses. In ausgesprochen schwierigen Fällen können auch Sätze bis 150 Euro angemessen sein. Die Gerichte haben bei der Festsetzung der Vergütung einen Ermessensspielraum, der neben der Qualifikation, der verwertbaren Kenntnisse und der Schwierigkeit auch berücksichtigt, ob der Nachlasspfleger in einer Region mit hohen Lebenshaltungskosten lebt, beispielsweise in einem Ballungsraum wie Hamburg oder auf dem Land.